On-Premise-KI vs. Cloud-KI: Was für Kanzleien besser ist
Der Kernunterschied: Bei Cloud-KI werden Ihre Dokumente auf fremden Servern verarbeitet und die Vertraulichkeit wird vertraglich zugesichert. Bei On-Premise-KI steht der Server in Ihren Räumen, die Dokumente verlassen das Haus nie, die Vertraulichkeit ist physisch garantiert, nicht versprochen. Für die meisten Unternehmen ist Cloud völlig ausreichend. Für Berufsgeheimnisträger wie Steuerberater und Anwälte, die für fremde Geheimnisse haften, kehrt sich die Abwägung häufig um.
Dieser Vergleich stellt beide Modelle in den fünf entscheidenden Dimensionen gegenüber: Datenschutz, Kosten, Leistung, Betrieb und Ausfallsicherheit, und sagt ehrlich, wo Cloud gewinnt.
Datenschutz und Verschwiegenheit: der strukturelle Unterschied
Cloud-KI kann DSGVO-konform betrieben werden: EU-Rechenzentrum, AV-Vertrag, kein Training auf Eingaben. Aber die Konformität hängt an Verträgen, Unterauftragnehmerketten und daran, dass sich jeder Mitarbeiter jeden Tag an die Eingaberegeln hält. Bei US-Anbietern bleibt der CLOUD Act als Restrisiko bestehen.
On-Premise dreht die Logik um: Es gibt keinen technischen Weg, auf dem eine Akte die Kanzlei verlassen könnte, keine Einstellung, die man falsch setzen kann, keinen Dritten, dem man vertrauen muss. Für die Verschwiegenheitspflicht nach § 80 WTBG 2017 bzw. § 9 RAO ist das der strukturell sauberste Zustand. Ausführlich im Beitrag KI, DSGVO und Verschwiegenheitspflicht.
Kosten: Abo pro Kopf vs. einmalige Investition
Cloud-Assistenten kosten typischerweise 20–90 Euro pro Nutzer und Monat. Eine Kanzlei mit 15 Arbeitsplätzen zahlt so schnell 5.000–15.000 Euro pro Jahr, dauerhaft, mit Preiserhöhungen und ohne Eigentum an irgendetwas.
On-Premise bedeutet eine einmalige Investition in Server-Hardware und Einrichtung plus eine laufende Betreuungspauschale, aber keine Lizenz pro Nutzer. Ab einer gewissen Teamgröße und Nutzungsdauer ist der eigene Server schlicht die günstigere Rechnung. Dazu kommt: Die Hardware gehört der Kanzlei, und unbegrenzt viele Dokumente kosten nicht extra.
Leistung: Wo Cloud ehrlich gewinnt
Die größten Cloud-Modelle sind lokalen Modellen bei offener Kreativarbeit und sehr komplexem Schlussfolgern weiterhin überlegen. Wer vor allem Marketingtexte, Übersetzungen oder Brainstorming braucht, fährt mit Cloud besser.
Für den Kanzlei-Anwendungsfall, Fragen gegen die eigenen Akten und den Gesetzesbestand beantworten, mit Quelle, ist diese Überlegenheit aber weitgehend irrelevant: Hier entscheidet die Qualität der Dokumentensuche (Retrieval) und die Quellenbindung, nicht die letzte Stufe an Modellgröße. Moderne lokale Modelle beantworten quellgebundene Fragen auf sehr hohem Niveau, und sagen bei fehlender Quelle offen, dass die Antwort nicht im Bestand steht.
Betrieb und Ausfallsicherheit
Cloud punktet mit Null-Wartung. On-Premise braucht jemanden, der Einrichtung, Updates und Monitoring übernimmt, realistisch ein betreuender Dienstleister mit klar begrenztem Zugriff. Dafür läuft der eigene Server auch ohne Internetverbindung weiter: Internetausfall, Anbieter-Störung oder Preisänderung eines US-Konzerns berühren den Kanzleibetrieb nicht.
Entscheidungshilfe: vier Fragen
Die Wahl lässt sich auf vier Fragen verdichten:
- Soll die KI vertrauliche Mandantenakten sehen? Wenn ja, spricht das stark für on-premise.
- Wie groß ist das Team? Ab etwa 5–10 intensiven Nutzern kippt die Kostenrechnung Richtung eigener Server.
- Gibt es Betreuung? On-Premise ohne Wartungspartner ist keine gute Idee, mit ist es unaufwendig.
- Was erwarten die Mandanten? „Ihre Daten verlassen unser Haus nicht“ ist auch ein Vertrauens- und Marketingargument.
Häufige Fragen
Was bedeutet On-Premise-KI genau?
On-Premise-KI (auch lokale KI) läuft vollständig auf Hardware in den eigenen Räumen: Sprachmodell, Dokumentenindex und alle Daten bleiben im Haus. Es besteht keine Verbindung zu externen KI-Diensten, das System funktioniert auch ohne Internet.
Ist lokale KI schlechter als ChatGPT?
Bei offener Kreativarbeit sind die größten Cloud-Modelle besser. Beim Kanzlei-Anwendungsfall. Antworten aus den eigenen Akten und Gesetzen mit Quellenbeleg, entscheidet die Dokumentensuche, nicht die Modellgröße. Dort arbeiten moderne lokale Modelle auf sehr hohem Niveau und haben den Vorteil, dass sie an den Bestand gebunden sind statt zu raten.
Was kostet eine On-Premise-KI für eine Kanzlei?
Einmalig die Server-Hardware und Einrichtung (typisch im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich, je nach Größe) plus eine monatliche Betreuungspauschale. Dem stehen entfallende Cloud-Abos von oft 5.000–15.000 Euro jährlich gegenüber, ab mittlerer Teamgröße amortisiert sich der eigene Server in wenigen Jahren.
Braucht der KI-Server in der Kanzlei Internet?
Nein, für den Betrieb nicht. Antworten entstehen vollständig lokal aus dem indexierten Bestand. Internet wird nur punktuell benötigt, etwa für Updates des Gesetzesindex, und auch das lässt sich kontrolliert gestalten.